Wikipedia

Anetta Kahane´s Wikipedia Eintrag ist geschönt worden

KenFM zeigt: Zensur – die organisierte Manipulation der Wikipedia und anderer Medien

Veröffentlicht am 05.03.2017

Gibt es Versuche einer organisierten und gezielten Meinungsmanipulation in unserer Gesellschaft? Im Jahr des Wortes „Fake News“ ist die Frage aktueller denn je.

Bereits in ihrem ersten Film „Die dunkle Seite der Wikipedia“ stellen die Autoren Markus Fiedler und Frank Michael Speer das kostenlose Online-Lexikon unter Verdacht, politisch brisante Artikel mit unlauteren Mitteln zu beeinflussen und sachliche Darstellungen zu verhindern. Am Beispiel des Artikels über den Friedensforscher Dr. Daniele Ganser wurde dieser Verdacht im Laufe des Films eindrücklich bestätigt und gezeigt, mit welch aggressiven Methoden eine Gruppe von Wikipedia-Autoren, sogenannten „Benutzern“, die Wissensplattform als eine Art Gesinnungspranger missbrauchen. Der Film wurde im Internet veröffentlicht und stieß mit fast einer halbe Millionen Klicks auf hohes Interesse.

Die Frage „Wer steht hinter dieser aggressiven Gruppierung?“ blieb offen. Insbesondere erschwert durch das Prinzip der Anonymität und ein labyrinthisches Regelwerk bei Wikipedia. In ihrer neuen Recherche verfolgen die Autoren nun Spuren, welche die institutionelle Unterstützung jener „Mind Control“ bei Wikipedia aufdecken. Mit zahlreichen Quellen, Belegen und Fakten, die sorgsam aufbereitet werden, können sie in 125 Minuten nachweisen, dass und wie die Wikipedia als Werkzeug und Teil eines größeren Netzwerkes zur politisch-ideologischen Manipulation missbraucht wird.

Der Film führt in ein Netzwerk von Autoren, Journalisten und politischen Akteuren, die sich auf mehreren Internetplattformen organisieren und von finanzkräftigen Stiftungen und sogar öffentlichen Geldern finanziert werden. Ein Netzwerk, das seit Jahren versucht, eine regelrechte Gesinnungsdiktatur voranzutreiben, um damit gesellschaftlichen Dialog und freie Meinungsentfaltung zu verhindern, und das mit der Wikipedia die bedeutendste kostenlose Informationsressource unter seine Kontrolle gebracht hat.

Damit entlarvt der neue Film von Markus Fiedler und Frank-Michael Speer ein Vorgehen, das jeglichen Verhaltensregeln in einer demokratischen Grundordnung widerspricht und das geistige und politische Klima dieses Landes bedroht.

Fiedler und Speer sind auch die Autoren des Films: „Die dunkle Seite der Wikipedia“. Hier der Link zum Film: https://kenfm.de/kenfm-zeigt-die-dunk.

Interview mit Markus Fiedler und Frank-Michael Speer, die Macher von "ZENSUR"

Veröffentlicht am 13.02.2017

Der neue Film über die Wikipedia und das Netzwerk dahinter "ZENSUR", von Markus Fiedler und Frank Michael Speer ist der zweite Teil, nach dem Film "Die dunkle Seite der Wikipedia" (https://www.youtube.com/watch?v=wHfiCX_YdgA&t=901s), der der Frage nachgeht, wie Zensur und Meinungsmanipulation betrieben wird. Und diese Manipulationen beschränken sich längst nicht mehr auf die Wikipedia selbst. In diesem Interview spreche ich mit Markus Fiedler und Frank Michael Speer (genannt "Mic-L") über ihre Filme und wie es dazu kam und was es für uns alle bedeutet, wenn diese "Netzwerke" sich nun immer stärker in unseren Meinungsbildungsprozess "einschleichen". Der Titel "ZENSUR" ist in der Zeit der "Fake News"-Debatte keine Übertreibung, sondern eine klare "Ansage" an das sog. "Alternative Medienspektrum" im Internet. Was sich lange angekündigt hat wird nun greifbar und stellt einen massiven Angriff auf die Meinungs- und Informationsfreiheit dar, getarnt als "fürsorgliche Aussortierung" von sog. "Fake News". Was wirklich am Ende dabei heraus kommen könnte (wird) klären wir hier in diesem Interview ...

In diesem Sinne, viel Spass beim Schauen, den es hier auch gibt, soviel sie versprochen ;-)

Spenden für den Film "ZENSUR" bitte über die Seite: www.terzmagazin.de

Ihr lieben Zuschauer von Mainz FreeTV, eine kleine Bitte, das alles ist so immens viel Arbeit, wer mag, darf mir gerne was "in den Hut tun", Danke dafür!:
Kontoinhaber: Bodo Schickentanz
IBAN: DE02 5505 0120 1152 0847 92
BIC: MALADE51MNZ

KenFM zeigt: Die dunkle Seite der Wikipedia
https://www.youtube.com/watch?v=wHfiCX_YdgA&t=901s

MEDIEN ANALYSE zur SRF Sendung "Einstein" 1-2017 • Ich breche eine Lanze für Dr. Daniele Ganser
https://www.youtube.com/watch?v=xieib7rSx_w


Hier noch ein paar LINKS zu Themen, die ich hier anspreche:

Die komplette "Einstein-Sendung":
https://www.youtube.com/watch?v=F5UCSl04oSk&t=653s

Quarks & Co: Wahn oder Wahrheit - Verschwörungstheorien | WDR
https://www.youtube.com/watch?v=JM5kuw1kmsg

Täuschung - Die Methode Reagan // Arte Doku 2015
https://www.youtube.com/watch?v=r98lEzIlp8k

Dr. Daniele Ganser - Illegale Kriege von Iran bis Syrien
https://www.youtube.com/watch?v=Vcp7Q...

Dr. Daniele Ganser: Wie uns illegale Kriege schmackhaft gemacht werden - Sündenfall Kosovo
https://www.youtube.com/watch?v=j98QBCuvOVg

Medial vermittelte Feindbilder und die Anschläge vom 11. September 2001 - Vortrag von Daniele Ganser
https://www.youtube.com/watch?v=2Cyu6...

Die NATO und ihre Geheimarmeen - Vortrag Dr. Daniele Ganser
https://www.youtube.com/watch?v=cgkQX...

Regime-Change in der Ukraine? Dr. Daniele Ganser
https://www.youtube.com/watch?v=zNOiN...

Mythos Verschwörung? (3sat Scobel mit Daniele Ganser, Andreas von Bülow, Thomas Grüter)
https://www.youtube.com/watch?v=isDq_...

KenFM zeigt: Die dunkle Seite der Wikipedia

Veröffentlicht am 21.10.2015

Die dunkle Seite der Wikipedia.
Ein Film von Markus Fiedler und Frank-Michael Speer

Download des kompletten Skriptes zum Film unter http://www.terzmagazin.de/terz/film/dokumentarfilm-wikipedia

Seit 2014 wird der Brockhaus, eines der renommiertesten Enzyklopädien der Welt, nicht mehr überarbeitet herausgegeben, also auf Papier gedruckt. Viele werden das gar nicht mitbekommen, denn sie informieren sich längst bei der Konkurrenz: Wikipedia, der größten Online-Enzyklopädie der Welt. Das revolutionäre an Wikipedia gegenüber dem Brockhaus ist die Art und Weise, wie Informationen gesammelt und archiviert werden. Die Datenbank der Wikipedia basiert auf der Schwarmintelligenz. Jeder kann einen Artikel anlegen, redigieren oder ergänzen. Damit man sich auf das Wissen von Wikipedia verlassen kann, existiert hinter der Datenbank ein Korrektiv, das Änderungen sämtlicher Nutzer vor der Freischaltung überprüft. Sinn und Zweck dieser Struktur hinter Wikipedia ist, dass die Datenbank neutral und wissenschaftlich korrekt bleibt. Nur ist sie das wirklich?

In naturwissenschaftlichen Bereichen lautet die Antwort eindeutig ja. Hier ist Wikipedia durchaus eine Quelle, die als vorbildlich bezeichnet werden kann. Geht es allerdings um aktuelles Zeitgeschehen oder Personen, die sich mit aktuellem Zeitgeschehen auseinandersetzen, wird Wikipedia immer dann parteiisch, wenn Artikel, die sich zum Beispiel mit Terrorismus beschäftigen, vom Mainstream abweichen. Immer, wenn eine wissenschaftliche Arbeit in der Analyse einem US-amerikanischem Weltbild zuwider läuft, wird ausschließlich die Sicht der US-Organisation Wikipedia veröffentlicht. Der Autor der alternativen Sicht erhält im Gegenzug schnell einen Eintrag als Verschwörungstheoretiker oder wird zusammen mit Holocaust-Leugnern aufgelistet.

Dieses Mobbing dient der Verleumdung und hat System. Die Filmemacher Markus Fiedler und Frank-Michael Speer weisen in ihrer Dokumentation „Die dunkle Seite der Wikipedia“ nach, dass hinter der Struktur der deutschsprachigen Wikipedia ein spezieller Personenkreis agiert, der es sich zur Aufgabe gemacht hat oder womöglich auch beauftragt wurde, jegliche Kritiker US-amerikanischer Politik zu diskreditieren. Die Leistung der beiden Filmemacher besteht vor allem darin, die anonymen Wächter zu enttarnen.

KenFM im Gespräch mit: Markus Fiedler (Die dunkle Seite der Wikipedia)

Veröffentlicht am 20.10.2015

Seit 2014 wird der Brockhaus, eines der renommiertesten Enzyklopädien der Welt, nicht mehr überarbeitet herausgegeben, also auf Papier gedruckt. Viele werden das gar nicht mitbekommen, denn sie informieren sich längst bei der Konkurrenz: Wikipedia, der größten Online-Enzyklopädie der Welt. Das revolutionäre an Wikipedia gegenüber dem Brockhaus ist die Art und Weise, wie Informationen gesammelt und archiviert werden. Die Datenbank der Wikipedia basiert auf der Schwarmintelligenz. Jeder kann einen Artikel anlegen, redigieren oder ergänzen. Damit man sich auf das Wissen von Wikipedia verlassen kann, existiert hinter der Datenbank ein Korrektiv, das Änderungen sämtlicher Nutzer vor der Freischaltung überprüft. Sinn und Zweck dieser Struktur hinter Wikipedia ist, dass die Datenbank neutral und wissenschaftlich korrekt bleibt. Nur ist sie das wirklich?

In naturwissenschaftlichen Bereichen lautet die Antwort eindeutig ja. Hier ist Wikipedia durchaus eine Quelle, die als vorbildlich bezeichnet werden kann. Geht es allerdings um aktuelles Zeitgeschehen oder Personen, die sich mit aktuellem Zeitgeschehen auseinandersetzen, wird Wikipedia immer dann parteiisch, wenn Artikel, die sich zum Beispiel mit Terrorismus beschäftigen, vom Mainstream abweichen. Immer, wenn eine wissenschaftliche Arbeit in der Analyse einem US-amerikanischem Weltbild zuwider läuft, wird ausschließlich die Sicht der US-Organisation Wikipedia veröffentlicht. Der Autor der alternativen Sicht erhält im Gegenzug schnell einen Eintrag als Verschwörungstheoretiker oder wird zusammen mit Holocaust-Leugnern aufgelistet.

Dieses Mobbing dient der Verleumdung und hat System. Die Filmemacher Markus Fiedler und Frank-Michael Speer weisen in ihrer Dokumentation „Die dunkle Seite der Wikipedia“ nach, dass hinter der Struktur der deutschsprachigen Wikipedia ein spezieller Personenkreis agiert, der es sich zur Aufgabe gemacht hat oder womöglich auch beauftragt wurde, jegliche Kritiker US-amerikanischer Politik zu diskreditieren. Die Leistung der beiden Filmemacher besteht vor allem darin, die anonymen Wächter zu enttarnen.

Dieser Dokumentarfilm wird ab dem 22. Oktober exklusiv im Programm von KenFM laufen. Wir sprachen mit dem dem Autor Markus Fiedler. Anderthalb Stunden, die den Blick auf die Online-Enzyklopädie massiv verändern.

Von Wikipedia-Admins rausgemobbt und mundtot gemacht

Veröffentlicht am 25.07.2016

Die dunkle Seite der Wikipedia, über die der gleichnamige Dokumentarfilm von Markus Fiedler und Frank-Michael Speer 2015 berichtete, „durfte“ ich heute persönlich kennen lernen. Hier im Video mein Erfahrungsbericht. [Klick 'Mehr anzeigen'!]

▪ Screenshot Diskussionsverlauf auf ‚Wikipedia:Vandalismusmeldung’: http://www.bilder-upload.eu/show.php?...

▪ E-Mail-Verlauf mit Wikipedia-Support: http://www.file-upload.net/download-1...

▪ Film „Die dunkle Seite der Wikipedia“
https://www.youtube.com/watch?v=wHfiC...

PR-Agentur brüstet sich mit Manipulation von Wikipedia und Google

PR-Agentur brüstet sich mit Manipulation von Wikipedia und Google Reporter haben Lobbyisten der Agentur Bell Pottinger heimlich gefilmt, als die erklärten, wie sie Wikipedia-Einträge und Google im Sinne ihrer Kunden beeinflussen. Von 8. Dezember  Inhalt

Dunkle Künste sind nur so lange Künste, wie sie im Dunklen bleiben. Diese Erfahrung macht gerade die englische PR- und Lobby-Agentur Bell Pottinger. Leitende Angestellte wurden heimlich gefilmt, als sie damit prahlten, Politiker, darunter auch Ministerpräsidenten, zu beeinflussen und Google-Suchergebnisse sowie Wikipedia-Einträge für ihre Kunden zu manipulieren. Geschäftsführer Tim Collins sagte, seine Agentur beherrsche "alle möglichen dunklen Künste". Nun wurden diese Künste ans Licht gezerrt und der Imageschaden für Bell Pottinger dürfte immens sein.

Zehn Accounts bei Wikipedia sind gesperrt, weil sie möglicherweise von Bell Pottinger benutzt wurden, um die Einträge über Kunden der Agentur zu schönen. Der Wikipedia-Eintrag über die Agentur selbst erwähnt den Vorfall gleich im zweiten Absatz.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales sagte der Financial Times , die Einträge über die Kunden von Bell Pottinger würden darauf untersucht, ob es Hinweise auf Interessenkonflikte gebe, die mit den Richtlinien der Online-Enzyklopädie unvereinbar sind.

Manipulationen von Wikipedia-Einträgen durch Lobbyisten gibt es immer wieder . Bei Wikimedia Deutschland will man am offenen System trotzdem nichts ändern. So bleibt dem Verein nicht viel anderes übrig, als auf die Selbstkontrolle der Community zu setzen: "Wir wollen durch Autorengewinnung und mehr Diversität in der Community die Wikipedia-Autorengemeinschaft stärken. Denn je mehr Menschen mitmachen, desto besser können Manipulationsversuche erkannt und verhindert werden."

Das Bureau of Investigative Journalism musste allerdings einigen Aufwand betreiben, um herauszufinden, wie Bell Pottinger arbeitet. Veröffentlicht wurden die Recherche-Ergebnisse in der Tageszeitung The Independent . Die Journalisten gaben sich als Vertreter der usbekischen Regierung und der usbekischen Baumwollindustrie aus. Sie kontaktierten Londoner PR- und Lobby-Agenturen, um herauszufinden, was diese anbieten würden, um den Ruf Usbekistans zu verbessern. Das Land gilt wegen Kinderarbeit auf Baumwollfeldern und anderer schwerer Menschenrechtsverletzungen als eines der repressivsten der Welt .

Bei zwei Treffen mit Vertretern von Bell Pottinger, die sich als eine von fünf Agenturen bereiterklärt hatte, einen solchen Auftrag anzunehmen, nahmen die Reporter das Gespräch auf. Einer der PR-Spezialisten sagte, Bell Pottinger habe ein Team, das "Wikipedia in Ordnung bringen" könne. Um die Google-Suchergebnisse zu beeinflussen, würde die Agentur vorgeblich unabhängige Blogs einrichten, die positive Inhalte über Usbekistan und beliebte Keywords enthalten. Ähnlich gehe man mit von der Regierung erstellten Artikeln und Videos vor, damit kritische Inhalte zu Usbekistan in den Suchergebnissen nach unten rutschen.

Solche "dunklen Künste", von denen Tim Collins sprach, sollten aber nicht in schriftlichen Präsentationen auftauchen, "weil es peinlich wäre, wenn das rauskäme".

Laut Collins setzt die Agentur aber den Willen zu Reformen im Land voraus. Erst dann sei der Einsatz einer PR-Agentur gerechtfertigt. Ein anderer Mitarbeiter gab an, keinen Kunden zu repräsentieren, dem er nicht glaube.

Konfrontiert mit den Aufnahmen, ließ Vorstandschef Lord Tim Bell über seine Anwälte verlauten, dass er das Vorgehen des Bureau of Investigative Journalism "nicht ansatzweise als verantwortungsvollen Journalismus" ansehe. Vielmehr sei es eine unethische Täuschung, um eine Story zu fabrizieren, wo keine sei.

Für sein Unternehmen könnte die Angelegenheit bitter enden: Die Agentur selbst wird nun für einige Zeit mit ihren fragwürdigen Methoden in Verbindung gebracht werden, denn eine Suche nach Bell Pottinger in der englischen Version von Google ergibt schon jetzt mehrere entsprechende Treffer an prominenter Stelle. Kunden der Agentur, darunter Regierungen und internationale Großkonzerne, könnten deshalb ihre Zusammenarbeit überdenken, zumal einige von ihnen bei Wikipedia aufgelistet sind.

Wikipedia - beeinflusst durch Geld und Macht

Wikipedia ist der Versuch, Wissen für viele frei zugänglich zu machen - und die Hoffnung, das subjektive Wissen der Einzelnen durch die Mitarbeit der Vielen objektiver zu machen. Was ist aber, wenn Wissen und finanzielle Interessen kollidieren? Auch in Wikipedia ist Zeit Geld oder Geld Zeit: Wer am meisten mitarbeitet, kann auch am meisten beeinflussen.

Ein Beispiel vorneweg: Wer im deutschsprachigen Wikipedia „gentechnisch veränderte Pflanze“ eingibt, wird auf „Grüne Gentechnik“ umgeleitet - anders als im englischsprachigen Wikipedia, wo tatsächlich „genetically modified plant“ erklärt wird. Dass sich der Begriff „Grüne Gentechnik“ mit seinem hübschen Klang durchgesetzt hat (1,6 Millionen Treffer bei Google statt circa 0,5 Millionen für die „gentechnisch veränderte Pflanze“) ist an sich schon ein Erfolg der Agro-Gentechnik. Wikipedia spiegelt diesen Erfolg nur wider. Interessant ist aber, welche Informationen zur Grünen Gentechnik angeboten werden - doch davon später...

Laut Wikipedia bezeichnet Astroturfing, „auch Kunstrasenbewegung genannt, insbesondere im US-amerikanischen Sprachraum politische Public-Relation und kommerzielle Werbeprojekte, die darauf abzielen, den Eindruck einer spontanen Graswurzelbewegung vorzutäuschen“. Wikipedia ist eine solche spontane Graswurzelbewegung, und wer sich heute über ein Sachgebiet informieren will und Zugang zum Internet hat, tut dies oft zunächst bei Wikipedia. Diesen ersten Eindruck von einem Thema zu kontrollieren ist für PR-Zwecke höchst interessant. Denn tatsächlich bietet Wikipedia für viele Sachgebiete, meistens unter der Überschrift „Kritik“, gleich schon die Kontroversen und Streitfragen innerhalb eines Sachgebietes mit an. Wer ein Interesse daran hat, diese Kontroversen unter den Teppich zu kehren, kann versuchen, das, was in Wikipedia zu einem Thema gesagt wird, zu beeinflussen - durch Astroturfing.
Bei Wikipedia funktioniert das nur durch subtile Beeinflussung, nämlich durch Mitarbeit beim Projekt. Wikipedia finanziert sich über Spenden, hat sich Transparenz auf die Fahnen geschrieben und baut auf unzählige freiwillige und unbezahlte MitarbeiterInnen. Die „Währung“, die bei Wikipedia zählt, ist Arbeitszeit und Fachwissen. Wer sich als konstante MitarbeiterIn erweist, steigt innerhalb der Hierarchie auf und bekommt erweiterte AdministratorInnen-Rechte. Ein System von gegenseitiger Kontrolle soll die Unabhängigkeit und Objektivität der gebotenen Informationen herstellen und bewahren. Wenn man sich die Bearbeitungsgeschichte einzelner, besonders umkämpfter Begriffe anschaut, findet man ein ständiges Hin und Her von Editierungen und Löschungen. Wer die Arbeitszeit von ExpertInnen bezahlen kann, ist damit im Vorteil gegenüber den unzähligen FreizeiteditorInnen. Dass dies tatsächlich ein Problem ist, verrät ein Blick auf die Liste der so genannten „Beobachtungskandidaten für Vandalismus“ bei Wikipedia.1 Unter der Rubrik „Verdacht auf Astroturfing“ sind viele Begriffe zu finden, die für Groß-Industrien wie die Agrar-, Atom- oder Ölindustrie interessant sind: Zum Beispiel Globale Erwärmung, Land Grabbing, Kernenergie (nicht Atomenergie!), Anti-Atomkraft-Bewegung Deutschland, globales Ölfördermaximum, Energiesparlampen und so weiter. Wikipedia merkt dabei selbst an, dass dies Stichworte sind, „bei denen einzelne Nutzer ganze Arbeitswochen darauf verwenden, die Positionen einiger nicht sehr umweltfreundlicher Industriezweige zu propagieren, und anderweitiges Quellenmaterial häufig gelöscht wird“.2

Wikipedia und Gentechnik

Dass Begriffe im Themenfeld der Gentechnik umkämpft sind, ist daran abzulesen, dass einige von ihnen auf der Liste der Wikipedia-Beobachtungskandidaten stehen: Glyphosat, der Saatgutkonzern Monsanto, Gentechnik und Grüne Gentechnik gehören dazu.
Ein Klick auf den Link „Diskussion“, den es für jeden der Begriffe gibt, macht deutlich, welche Fragen umstritten sind:
Bei Glyphosat ist es die Gefährlichkeit, bei Monsanto ist es die Außendarstellung des Konzerns im weitesten Sinn, bei der Gentechnik fehlt der Punkt Kritik gleich ganz. Bei dem besonders interessanten Fall des Begriffs Grüne Gentechnik wird Kritik nur als Unterpunkt, nämlich als „Kritik an der Restriktion“ (also der strengen Gesetzgebung) aufgenommen. Der überlange Artikel (40 gedruckte Seiten) behandelt die eigentliche Kritik an der Technologie ganz am Rande mit ausgesucht schwachen Quellen, stellt demgegenüber aber ausführlich Wirtschaftsdaten der beteiligten Firmen dar. Ein besonderer Witz ist das Kapitel „Umweltauswirkungen“, das mit dem Unterkapitel „Umweltschutz“ und mit folgendem ersten Satz beginnt: „Transgene Pflanzen können den Umweltschutz verbessern, was bereits in Anbauländern nachgewiesen wurde.“ Na dann Prost, Monsanto.
Wiederum anders als bei Grüne Gentechnik funktioniert es bei dem Begriff Gentechnikfreie Region: Er findet sich nicht als eigenes Stichwort in Wikipedia, obwohl er der verbreitetere Begriff ist (circa 300.000 Treffer bei Google), während Gentechnikfreie Zone (175.000 Treffer bei Google) sehr wohl in Wikipedia vertreten ist. Der Lexikon-Eintrag beginnt mit der tendenziösen und irreführenden Aussage: „Gentechnikfreie Zone ist ein Begriff, der im politischen Meinungskampf eingesetzt wird.“3

Der Fall Katach

Astrorturfing oder nicht? Es ist oft stark zu vermuten, aber wohl fast nie zu beweisen. Der Administrator „Katach“ leistete bei Wikipedia im breiten Themenfeld Agarindustrie über zwei Jahre im wahrsten Sinne des Wortes ganze Arbeit. Auch ein Leser der Wochenzeitschrift Freitag merkte zu einem (übrigens sehr interessanten) Artikel zum genannten Thema Astroturfing als Kommentar an: „Astroturfing ist definitiv auch in der deutschen Wikipedia ein Problem. Beispiel zum Stichwort ‚Monsanto‘: Da gibt es einen Benutzer mit Kennung Katach, der in eben diesem Artikel aggressiv ausgesprochen konzernfreundliche Positionen vertritt. Wenn man sich die Liste der Benutzerbeiträge von ‚Katach‘ über eine längere Zeit anschaut, dann erstellt diese Kennung fünf Tage die Woche, montags bis freitags, tagsüber derartige Beiträge. Am Wochenende hat diese Person anscheinend frei.“4
Katach ging konsequent und sprachlich subtil vor, löschte kritische Quellen mit dem Argument der „Wissenschaftlichkeit“, zitierte aber Befürworter. Insgesamt lief es nach dem Muster: Vorteile der Technologie sind Tatsachen, Nachteile sind nur Vermutungen.
Andere Themen, in denen dieser Wikipedianer seinen Beitrag leistete, waren neben Grüner Gentechnik: Gentechnik, Monsanto, Transgene Baumwolle, Transgener Raps, Transgener Mais, Transgene Sojabohne, Biopatent und viele weitere. Im November 2011, nach „Vandalismus“-Vorwürfen und dem mehrfach geäußerten Verdacht auf heimliche Lobbyarbeit, ließ Katach sich auf eigenen Wunsch sperren und sein Benutzerkonto löschen.

Jetzt editieren! Grüne Gentechnik, Monsanto, Glyphosat

Und wie weiter? Nachdem der umtriebige Katach gesperrt ist (wenn er nicht unter einem anderen Namen weitermacht), lohnt es sich also wieder, Energie zu investieren, um die Breite von Themen wie Grüne Gentechnik oder Monsanto zu gewährleisten. Dass die Informationen in Wikipedia sich im Fluss befinden und in der Informationsgesellschaft eine umkämpfte Ware darstellen, ist schon einmal ein guter Anfang und sollte als Chance gesehen werden, der Öffentlichkeit relevante und kritische Informationen zur Verfügung zu stellen. Jede/r kann sofort mitmachen! (Abgesehen von den ersten Hürden: der Anmeldung, der Freischaltung nach vier Tagen und dem Pensum an Mitarbeit, das geleistet werden will, um in der Hierarchie aufzusteigen.)
Auf jeden Fall sollten Meldungen wie: „Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten.“ wirklich ernst genommen werden. Sie sind ein erster Hinweis darauf, dass die Informationen zu einem Begriff umkämpft sind. Dann ist es angezeigt, sich auch die Wikipedia-Diskussionsseite zu einem Begriff anzusehen, um die strittigen Punkte zu finden.

quelle

Die Welt in der Wikipedia als Politik der Exklusion Palimpseste des Ortes und selektive Darstellung

Die Welt in der Wikipedia als Politik der Exklusion Palimpseste des Ortes und selektive Darstellung Mark Graham
10.10.2012 Große Teile der Welt werden in der Wikipedia nicht abgebildet, andere sind hingegen überrepräsentiert, zeigen die Untersuchungen von Mark Graham: Übersetzt man ihre geokodierten Inhalte in eine Karte, offenbaren sich noch viele weiße Flecken.

Afrikakarte aus dem Jahr 1861, unerforschte Gebiete werden als weiße Fläche dargestellt.

Auch Wikipedia kennt 'weiße Flecke' (© Public Domain, 2003 als Teil des Florida Map Collection Projektes digitalisiert, palmm.fcla.edu/map)
Konkrete und virtuelle Orte

"Welche Grenzen wir in welcher Weise ziehen, wie sich dies auswirkt und wie sich die Grenzen verändern – das sind die entscheidenden Fragen." (John Pickles: A History of Spaces)


Wikipedia wird oft als ein Beispiel für zwei Dinge genannt: Anarchie und Demokratie. Gängige Erklärungsansätze und Darstellungen können hier dekonstruiert, vielfältige Auffassungen und Auslegungen der Welt sichtbar gemacht werden. Es heißt jedoch ebenso, die in den Wikipedia-Debatten erkennbaren Machtverhältnisse spiegelten häufig jene der "Offline-Welt" wider, die alternative Darstellungen ausschließen: So stammt ein unverhältnismäßig großer Anteil der Beiträge von jüngeren männlichen Autoren aus westlichen Ländern. Im Kontext virtueller Repräsentation realer Orte erhält diese Diskussion besondere Bedeutung. Inzwischen ist Wikipedia de facto die globale Quelle dynamisch organisierten Wissens; daher bilden die Repräsentationen in der Enzyklopädie einen wesentlichen Bestandteil räumlicher Palimpseste1. Im Grunde wird hier die Auffassung vertreten, dass die Art und Weise, wie Orte in Wikipedia repräsentiert, also dargestellt und sichtbar (oder auch unsichtbar) gemacht werden, sich massiv auf unsere kulturelle, ökonomische und politische Interaktion mit diesen Orten auswirkt. Anders ausgedrückt: Das Machtgefälle und die Gräben in der realen Welt (d.h. mit Klasse, Geschlecht, Nationalität usw. verbundene Brüche) sind häufig mit der Ausblendung bestimmter Arten von Wissen in der Darstellung der Online-Welt verbunden.

Wie wir Orte begreifen, ist geprägt durch zahllose Schichten von Ziegeln, Stahl und Beton, Erinnerungen und Geschichte. Mit anderen Worten spielt nicht nur unsere konkrete Erfahrung eines Ortes eine wichtige Rolle – auch Fotografien, Filme, Erzählungen und ebenso Lexikoneinträge bestimmen, wie wir zu einem Ort kulturell, ökonomisch und politisch in Beziehung treten. Nennen wir diese realen und virtuellen Schichten die Palimpseste eines Ortes. Da Wikipedia praktisch zu einer globalen Quelle dynamisch organisierten Wissens geworden ist, bilden die Repräsentationen in der Enzyklopädie ein wesentliches Element räumlicher Palimpseste. Die räumlichen Repräsentationen, die uns Wikipedia liefert, werden letztendlich zu einem performativen Medium, eingebettet in die unzähligen kulturellen, ökonomischen und politischen Entscheidungen hunderter Millionen Nutzer.

Es ist zuweilen schwierig, die Bedeutung unterschiedlicher Schichten von Informationen über Orte anhand konkreter Beispiele zu veranschaulichen. Ich will daher kurz auf ein Gespräch eingehen, dass ich im Rahmen eines Forschungsprojekts in Kenia geführt habe – es ging darum, wie sich Ostafrika durch veränderte Kommunikationsmöglichkeiten selbst verändert.

Ein Reiseveranstalter in Nairobi schilderte mir, wie das schnellere Internet ihm ermöglicht, eine größere Zahl von Touren in Länder der Region anzubieten, etwa nach Ruanda und Uganda. Ich wollte mir dies genauer erklären lassen: Was ist es eigentlich, was er vorher nicht konnte? Nun, er könne "viel mehr Dinge googlen - schneller und effizienter", erklärte er. Aber das reichte mir noch nicht, ich hakte nach: Was genau bedeute das für ihn? Seine Antwort: Google liefere ihm Informationen, durch die er neue Orte und Reiseziele besser erschließen könne. Durch Google finde er also einschlägige Wikipedia-Artikel, in denen er Vieles über Nationalparks, Abenteuertouren und Sehenswürdigkeiten erfahre, das er an seine Kunden weitergeben könne. Dieses Beispiel zeigt, wie die geografische Repräsentation nicht nur unsere Vorstellungen von Orten beeinflusst, sondern auch in einem durchaus realen Sinne die Art und Weise beeinflusst, wie wir uns an Orten bewegen, zu ihnen in Beziehung treten und sie erschließen. 

Statistiken zufolge lassen sich nahezu die Hälfte der Zugriffe auf Wikipedia auf die Suchtreffer von Google, zurückführen. Denn Wikipedia-Artikel stehen bei den Google-Suchergebnissen zu fast jedem beliebigen Begriff an prominenter (also sichtbarer) Stelle. So lässt sich nicht leugnen, dass Google für einen erheblichen Anteil der Zugriffe auf Wikipedia-Artikel über Orte sorgt und damit den Beitrag der Enzyklopädie zu ihren Palimpsesten steigert.

Orte verwandeln Text, konfligieren und überschneiden sich mit ihm. Wie Orte dargestellt werden, darum wurden schon immer Machtkämpfe geführt. Jede räumliche Darstellung "festigt eine bestimmte Bedeutung unter unzähligen anderen. In der heutigen Welt geschieht dies meist durch die Aufforderung, uns diese Sache, diesen Gegenstand oder jenen Ort anzusehen", wie es John Pickles in seiner "History of Spaces" ausdrückt. Als Abstraktion von konkreter Wirklichkeit kann die Abbildung der realen Welt die Herrschaft und Kontrolle über den Gegenstand der Abbildung potenziell erleichtern. Ian Barrow beispielsweise zeigt mit seiner Arbeit, dass die kolonialen Landkarten Indiens dazu dienten, die britische Herrschaft als natürlich erscheinen zu lassen. Ähnlich hat P.J. Stickler untersucht, wie während der Apartheid die Siedlungen der Schwarzen von den Karten Südafrikas verschwanden.

In den letzten Jahren haben sich unsere Möglichkeiten, die reale Welt virtuell zu repräsentieren, tiefgreifend gewandelt. Was ich an anderer Stelle die "Cloud-Kooperation" ("cloud collaboration”) genannt habe, ermöglicht heute nahezu jedem Menschen mit Internetzugang, an den virtuellen Schichten der Palimpseste von Orten mitzuwirken. Solche Repräsentationen werden Teil der uns umgebenden Palimpseste, durch die wir uns bewegen, die wir berühren, sehen und hören. Orte können auf unterschiedlichste Weise online abgebildet werden. Unter allen Projekten, die sich auf Cloud-Kooperation stützen, ist Wikipedia mit seinen hunderten Millionen von Nutzern bei weitem dasjenige mit den meisten Zugriffen http://www.alexa.com/topsites, den meisten Beiträgen und der größten Sichtbarkeit.

Durch ihre herausragende Stellung bei den meisten Suchmaschinen und ihre weltweite Popularität kommt Wikipedia eine große Bedeutung für die Konstruktion von Palimpsesten bei. Das macht es noch wichtiger zu verstehen, sowohl was in Wikipedia abgebildet wird, als auch wie Orte und ihre Merkmale dort sichtbar oder unsichtbar gemacht werden. Die Enzyklopädie spielt eine wichtige Rolle dafür, dass es möglich wurde die Produktion und Repräsentation von Geografie und die Atmosphäre und den Geist eines Ortes (des genius loci)in die Hände der Massen im Web zu übergeben. Der genius loci2 gründet stets im Lokalen, weniger im Globalen. Heute jedoch, da die Palimpseste von Millionen Orten virtuelle Schichten besitzen, beginnen diese virtuellen Abbildungen auch unsere Auffassung und Vorstellung von der realen, der Offline-Welt zu beeinflussen. Wichtiger noch: Weil die virtuellen Elemente der Palimpseste die geografische Vorstellung beeinflussen, schaffen und legitimieren sie Machtverhältnisse.

Hier wird davon ausgegangen, dass es im Wesentlichen drei Gründe dafür gibt, warum Wikipedia alles andere als ein wertfreies Wissensangebot ist. Im Einzelnen zeige ich, dass Asymmetrien in Geografie, Informationsflussrichtung und Politik für Wikipedia kennzeichnend sind. Daher geht dieser Abschnitt ausführlich auf die Möglichkeiten der Enzyklopädie ein, die Palimpseste des Ortes in dreierlei Hinsicht zu beeinflussen. Zunächst wird der Datenbestand aller geokodierten3 Artikel untersucht, um die Wikipedia-typische Geografie darzustellen. Einige Teile der Welt fallen durch eine sehr dichte virtuelle Repräsentation auf, andere hingegen wurden praktisch zur virtuellen terra incognita. Zweitens betrachten wir die Geografien verschiedener Sprachfassungen, um die spezifische Richtung der Informationsflüsse in der Enzyklopädie zu untersuchen. Schließlich werden anhand einiger Fallstudien verschiedene Strategien und Kräfteverhältnisse bei Repräsentationen in Wikipedia herausgearbeitet.

Wikipedia stellt gewiss in vielerlei Hinsicht ein radikales Novum in der Schaffung, Organisation und Verbreitung von Inhalten dar; doch bedeuten ihre Macht und ihre Stellung als eine der ersten Autoritäten globalen Wissens heute auch, dass die Enzyklopädie und ihre Macher ein neue Form des kooperativ produzierten planetarischen Bewusstseins schaffen konnten. Stets sollte man sich daher jener drei Dimensionen der Asymmetrie als Merkmal der Enzyklopädie bewusst sein: nicht um Wikipedia als unbrauchbar abzuwerten, sondern vielmehr, um das aus ihr bezogene Wissen im Rahmen der zahlreichen unausgewogenen Geografien der realen Welt und nicht der unterstellten Allwissenheit der Cloud zu kontextualisieren.

Asymmetrien der Geografie

"Die Welt wurde buchstäblich geschaffen, domestiziert und geordnet durch Grenzziehungen, Unterscheidungen, Taxonomien und Hierarchien: Europa und die andern, der Westen und der Nicht-Westen, Menschen mit und solche ohne Geschichte." (John Pickles: A History of Spaces)


Seit kurzem wird viel über die Behauptung diskutiert, Wikipedia sei mindestens so zuverlässig wie herkömmliche, professionell-kommerzielle Wissensangebote (wenn nicht sogar zuverlässiger). So befand beispielsweise eine häufig zitierte Untersuchung des Nature-Magazins, dass die Encyclopaedia Britannica ebenso viele Unrichtigkeiten enthalte wie Wikipedia. Ähnlich bemerkte der Geograf Michael Goodchild nach der Untersuchung der Zuverlässigkeit von Karten, die ebenso wie Wikipedia-Artikel von Freiwilligen produziert werden:http://en.wikipedia.org/wiki/Michael_Frank_Goodchild "Soweit wir das bislang beurteilen können, sind diese neuen Quellen genauso zuverlässig wie herkömmliche." 4 Ein Weg, den Gehalt solcher Behauptungen im Kontext von Informationen über Orte in Wikipedia zu untersuchen ist der, alle geokodierten Artikel in Karten zu übersetzen. Das Ergebnis fassen die Abbildungen 1 bis 3 zusammen, und zwar anhand der im Wikipedia-Projekt Georeferenzierung gesammelten Daten.

Die Daten wurden anschließend auf ein geografisches Informationssystem (GIS) portiert. Zum Zeitpunkt der Datensammlung gab es nahezu eine halbe Million geokodierter Wikipedia-Artikel (d.h. Wikipedia-Artikel über Orte bzw. über Ereignisse an bestimmten Orten). Aus Abbildung 1 ist die Gesamtzahl solcher Artikel je Land ersichtlich. Die meisten entfallen auf die Vereinigten Staaten (fast 90.000), die wenigsten geokodierten Artikel hat karibische Insel Anguilla (vier) – wie auf die meisten kleinen Inselstaaten und Stadtstaaten kaum hundert Artikel kommen. Allerdings sind es nicht bloß die Mikrostaaten, die durch eine höchst geringe Repräsentanz in Wikipedia auffallen. Nahezu alle afrikanischen Länder sind dort unterrepräsentiert. Bemerkenswerterweise wurden mehr Wikipedia-Artikel über die Antarktis als über alle 53 Staaten Afrikas (bis auf einen) geschrieben. Vielleicht noch erstaunlicher: Es gibt mehr Artikel über fiktive Orte in Mittelerde und Scheibenwelt als über viele reale Länder in Afrika, Amerika und Asien. Ein völlig anderes Bild ergibt sich, wenn man die Daten nach Flächen auswertet (s. Abb. 2). Danach haben Mittel- und Westeuropa, Japan und Israel die meisten Artikel, große Länder wie Russland und Kanada hingegen verzeichnen niedrigere Quoten.

Gesamtzahl aller geogetaggten Wikipedia-Artikel, pro Land in allen Sprachen

Gesamtzahl aller geogetaggten Wikipedia-Artikel, pro Land in allen Sprachen Lizenz: cc by-nc-sa/3.0/de (CC, Mark Graham, Oxford Internet Institute)


Schließlich wurden die Daten auch nach der Bevölkerungsgröße ausgewertet (siehe Abb. 3). Hier rücken Länder mit geringer Einwohnerzahl und großer Fläche nach oben. Für Kanada, Australien und Grönland ergeben sich extrem hohe Artikelzahlen pro 100.000 Einwohner. Ähnlich verhält es sich mit kleineren Staaten mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten oder räumlich bedeutsamen Ereignissen (etwa Pitcairn oder Island).

Festzuhalten wäre, dass nur eine relativ geringe Zahl von Wikipedia-Artikeln geokodiert ist. Dies liegt vor allem daran, dass sehr viele Informationen einfach kein räumliches Profil haben: Es wäre sinnlos, der großen Mehrzahl von Artikeln zu Themen wie "Apfel" oder "Abseitsregel" Koordinaten zuzuweisen. Andererseits sind einige explizit raumbezogene Artikel nach wie vor nicht geokodiert. Dass Burkina Faso mehr geokodierte Artikel (nämlich 1071) als Südafrika (945), Kenia (217) und das übrige Afrika verzeichnet, liegt wahrscheinlich eher an der sorgfältigen Bearbeitung und weniger am Vorhandensein von mehr Inhalt. Allerdings verblassen diese Zahlen bei einem Vergleich mit Ländern wie USA oder Deutschland und ihrer hohen Artikelanzahl (89.549 bzw. 54.634). So lässt sich resümieren: 1. Die geografischen Verzerrungen in kodierten bzw. unkodierten Artikeln sind relativ unbedeutend. 2. Da solche Verzerrungen vorkommen, sollten wir uns mehr dem allgemeinen Muster geografischer Unterschiede in den Inhalten zuwenden (also der Tatsache, dass es mehr Inhalte zur Nord- als zur Südhalbkugel gibt) und weniger den relativ geringen Unterschieden zwischen Orten.

Zahl aller geogetaggten Wikipedia-Artikel pro 100 km²

Zahl aller geogetaggten Wikipedia-Artikel pro 100 km² Lizenz: cc by-nc-sa/3.0/de (CC, Mark Graham, Oxford Internet Institute)



Oft wird behauptet, den Wikipedia-Autoren gingen die Themen aus. Tatsache ist, und das belegen Untersuchungen, dass die eigentliche Arbeit an Artikeln abnimmt und die indirekten Arbeiten zunehmen – was die These stützt, das Potenzial an Inhalten sei ausgeschöpft. Dies aber können die obigen Zahlen keineswegs bestätigen. Große Teile der Erde sind eine digitale terra incognita: Somit bietet Wikipedia einen verzerrten Blick auf die Welt, der bestehende Asymmetrien der Repräsentation nur reproduziert. Und das muss aus zweierlei Gründen beunruhigen. Erstens schenkt man den Darstellungen in Wikipedia – anders als bei den deutlich "einseitigen" Karten des kolonialen Indien oder Südafrikas während der Apartheid – allgemein Vertrauen und unterstellt ihnen keine signifikanten oder systematischen Fehler. Zweitens: Die Wikipedianer konnten zwar auf nie dagewesene Weise Informationen sammeln, doch erweist sich die Enzyklopädie als wenig brauchbar für eine transparente Vermittlung ihrer Wissenslücken, also der unsichtbaren Orte auf der digitalen Landkarte.

Zahl der geogetaggten Wikipedia-Artikel pro 100.000 Einwohner

Zahl der geogetaggten Wikipedia-Artikel pro 100.000 Einwohner Lizenz: cc by-nc-sa/3.0/de (CC, Mark Graham, Oxford Internet Institute)


Fazit

Dieser Beitrag zeigt, dass sich die Debatte um die Wikipedia-Politik wohl neu ausrichten muss. Die Diskussion in Wissenschaft und Öffentlichkeit dreht sich meist um Einseitigkeiten bereits vorhandener Inhalte und um die Behauptung, das Potenzial an Themen in der englischsprachigen Wikipedia sei bereits erschöpft. Nach unserer Auffassung aber ist mehr in den Brennpunkt zu rücken, was an Informationen und Standpunkten schlicht ausgeblendet wird.
Das Wikipedia-Projekt verbucht für sich als unvorstellbaren Erfolg, von Freiwilligen erstellte Wissensangebote für praktisch jedermann kostenlos verfügbar zu machen. Weniger aber gelingt es ihm, den Nutzern die Lücken in der Darstellung zu vermitteln. Das Problem liegt teils in der Formulierung eines seiner Grundprinzipien begründet, des neutralen Standpunkts. In der englischen Wikipedia werden die Bearbeiter angehalten, "Tatsachen wiederzugeben, wozu auch Fakten über Meinungen gehören – nicht aber die Meinungen selbst." Diese Regel mag bei zahlreichen Artikeln sinnvoll sein – etwa über die Anatomie der Fische, über Colibakterien oder einen bestimmten Fußballclub –, nicht aber zwangsläufig auch bei Artikeln über Orte. Die zahllosen Möglichkeiten, ökonomisches, soziales und politisches Gelände auszuloten, bedeuten, dass Artikel, die zu den Palimpsesten der Orte beitragen, zwangsläufig nur selektive Aspekte auf selektive Weise darstellen können.

Die Debatten und Bearbeitungskriege ("Edit-Wars"), die um die Darstellung höchst umstrittener Orte geführt werden, sind zweifellos wichtig (siehe Palästina oder Londonderry); doch sind es gerade die Darstellungen eher "alltäglicher" Orte, die nicht im Brennpunkt der Auseinandersetzung stehen, die den meisten solcher Verzerrungen ausgeliefert sein können. Zudem, Neben der Erkenntnis, dass es wichtig ist, die Machtbeziehungen im Blick zu behalten, die der Darstellung von Orten innewohnen, sollten wir nicht vergessen, dass große Teile der Erde noch gar nicht abgebildet sind.

Über manche Orte liegt schlicht nichts Schriftliches vor, andere sind nur unter bestimmten (z.B. sprachlichen) Voraussetzungen zugänglich; selbst dort, wo ein Ort (auch in der richtigen Sprache) vertreten ist, können viele Merkmale durchaus in den virtuellen Palimpsesten verhüllt und unsichtbar bleiben. Auslassungen und Lücken in virtuellen Darstellungen sollten unbedingt mehr ins Zentrum des Diskurses über die digitale Kluft gerückt werden. Manch frühere Arbeit hat gezeigt, dass Klüfte dort entstehen können, wo die Verbindung zwischen Mensch, Technologie und Information fehlt. Klar ist allerdings, dass die digitale Kluft mehr als eine Frage des Zugangs ist. Es sind daher die vielen anderen Faktoren zu bedenken, die Menschen und Orte von digitalen Palimpsesten ausschließen. Wikipedia-Artikel wie auch die konkreten Orte und Ereignisse, die dargestellt werden sollen, sind zwangsläufig stets im Werden. Um also die zahlreichen Dimensionen der Asymmetrie in der Repräsentation aufzugreifen, müssen wir uns des Fehlenden ebenso bewusst sein wie des Abgebildeten. Dazu entscheidend beitragen könnten bessere Richtlinien zur Aufnahme oder zum Ausschluss der vielen Aspekte von Orten ebenso wie transparentere Verfahren zum Aufweisen von Unausgewogenheiten. Anders ausgedrückt: Statt immer wieder zu behaupten, uns würden die Themen ausgehen, oder Wikipedia habe den Planeten mit einer Deckschicht von Information überzogen, sollten wir uns eher der Mechanismen bewusst sein, wie sich die zahlreichen Machtbeziehungen und Gräben der realen Welt oftmals mit der Ausblendung bestimmter Arten von Wissen aus der digitalen Repräsentation verbinden. Das Fehlende in den digitalen Palimpsesten der Orte ist von entscheidender Bedeutung, weil es unsere Auslegung der Welt und damit letztendlich unsere Interaktion mit ihr beeinflusst. Dies sind ganz entscheidende Dinge, denn man kann sich denken, dass in den Palimpsesten der Orte nicht nur viele "ausgelassen" werden; auch werden, wie es die Columbia-Professorin für Literaturwissenschaft Gayatri Spivak ausdrückt,http://en.wikipedia.org/wiki/Gayatri_Chakravorty_Spivak die Subalternen selbst in den vorhandenen Repräsentationen sprachlos und damit ungehört bleiben. Alles Wissen stellt sich in Beziehung zu Auslassungen, Fehlendem und Asymmetrien dar; so gibt es in Wikipedia zwangsläufig Orte, die nicht abgebildet, und Menschen, die nicht gehört werden. Was aber am meisten beunruhigt: Aufgrund der Öffentlichkeitswirkung der Wikipedia wird sich diese westliche Dominanz in der Repräsentation und Hörbarkeit wohl in unzähligen sozial-räumlichen Praktiken weltweit stets auf neue herstellen und reproduzieren. Eben dies müssen wir als Unausgewogenheit in Repräsentation und Ausdrucksmöglichkeiten bloßstellen.

Für Wikipedia gibt es gewaltige Potenziale, die Teilhabe am Aufbau von Wissen zu ermöglichen und die etablierte Klammer zwischen global zugänglichen Darstellungen und der hegemonialen Kraft herrschenden westlichen Wissens zu lösen. Die Wissensplattform, in fast 280 Sprachfassungen verfügbar, ermöglicht marginalisierten Gruppen theoretisch, sich bei Produzenten und Nutzern von Information weltweit Gehör zu verschaffen. Dabei ist eines wichtig: Wir sollten nicht überschätzen, wie die Enzyklopädie die digitale Repräsentation demokratisiert hat, und uns bei den Palimpsesten der Orte stets der Asymmetrien in Geografie, Informationsflussrichtung und Politik bewusst sein.

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Bei dem Beitrag handelt es sich um eine gekürzte und aus dem Englischen übersetzte und bearbeitete Fassung, zuerst erschienen in: "Geert Lovink and Nathaniel Tkacz (Hrsg.): Critical Point of View: A Wikipedia Reader". 2011

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