Boden

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Hiermit stelle ich mich in den Schutz des Esausegens!

 

Wenn der Boden schwindet

Europa verliert durch Erosion jedes Jahr eine Milliarde Tonnen fruchtbaren Boden. Viel mehr als sich in dieser Zeit neu bilden kann. Das Problem: Erosion ist ein schleichender Prozess und wird deshalb oft nicht wahrgenommen.

Vielleicht sollte man das alte Wissen mal wieder hervorkramen. Fruchtfolge auf dem Acker und keine Monokulturen... das wäre doch schon mal ein Weg!cp

 

"Flächen, auf denen früher Sand verbaut wurde, sollten recycelt werden."

Auch in Deutschland wird an den Küsten und im Meer Sand und Kies abgebaut, weiß Jochen Lamp, Leiter des WWF Ostsee-Büros in Stralsund. Lamp setzt sich bereits seit Jahren für den Küstenschutz an der deutschen Ostsee ein. ARTE hat ihn zur aktuellen Lage in der Ostsee befragt.

Wie schätzen Sie als Ostsee-Experte die aktuelle  Lage ein? Wieviel Sand und Kies wird pro Jahr in der Ostsee abgebaut?

Der Sand- und Kiesabbau in der Ostsee hängt stark davon ab, welche Infrastrukturmaßnahmen geplant sind. Im Jahr 2006 waren es beispielsweise 2,3 Millionen Tonnen. Je nach geplanten Bauvorhaben variiert diese Zahl jedoch stark. Als 2010/11 die Ostseepipeline gebaut wurde, schnellte der Bedarf zum Beispiel in die Höhe.

In Frankreich sind durch den Sandabbau vor allem auch Strände und Dünen betroffen. Wie ist die Lage in Deutschland?

ie Lage in Deutschland ist je nach Ort sehr unterschiedlich. In einigen Gebieten wird Sand tatsächlich vor den Stränden abgebaut, der dann jedoch für Strandaufspülungen zur Stabilisierung der Küste verwendet wird. In anderen ereichen, wo der Sand direkt vom Meeresboden abgebaut wird, ist kein direkter Einfluss auf die Strände zu verzeichnen.

Welche Lebewesen sind von dem Sandabbau im Meer betroffen?

Betroffen sind natürlich alle im Sand lebenden Meeresbewohner, vor allem aber Muscheln und Sandaale. Sandaale sind kleine Fische, die einer Reihe von größeren Fischen und Seevögeln als Nahrung dienen. Besonders in der Nordsee sind unzählige Lebewesen betroffen.

Studien zeigen, dass Sand am Land nur noch bis 2098 gefördert werden kann. Welche Konsequenzen wird das für den marinen Abbau haben?

Die gesamten Konsequenzen können wir momentan noch nicht abschätzen. Es ist aber davon auszugehen, dass der Druck auf die marinen Lebensräume größer werden wird, weil sich Sand zu einer knappen Ware entwickelt. Sand kann nicht beliebig weit transportiert werden, da die Transportenergiekosten zu hoch sind. Daher wird weiter auf den Sand aus näheren Räumen zurückgegriffen werden.

Welche Alternativen sehen Sie zum marinen Sand- und Kiesabbau sowie zum Sandabbau im Allgemeinen?

Flächen, auf denen früher schon einmal Sand verbaut wurde, müssen recycelt werden. Wenn neue Straßen gebaut werden, müssen alte Straßen wieder abgebaut werden, um den Sand wiederzuverwenden. Die Altmaterialien können zum Beispiel als Unterfütterung verwendet werden. Generell müssen jedoch bis in die 2090er sparsamere Baumaßnahmen gefunden werden.

Das Interview führte Nora Laufer

Sand - Die neue Umweltzeitbombe Doku Arte 2013 HD

Sand - Die neue Umweltzeitbombe 
Der Kampf um eine unterschätzte Ressource
Vom Handy bis zur Autobahn - Sand ist heutzutage in nahezu allen Produkten enthalten. Vor allem aber in Beton. Da Wüstensand ungeeignet ist zur Betonverarbeitung, geht der Sand aus Flussbetten und Kiesgruben langsam zur Neige
.Der größte Sandbedarf ensteht durch den weltweiten Bauboom aufgrund des Bevölkerungswachstums und der wirtschaftlichen Entwicklung in den Schwellenländern. 200 Tonnen Sand stecken in einem mittelgroßen Haus, 30.000 Tonnen in einem Kilometer Autobahn und für ein Atomkraftwerk werden zwölf Millionen Tonnen benötigt. Man schätzt, dass jährlich zwei Tonnen Beton pro Erdbewohner produziert werden. Das entspricht zehn bis 15 Milliarden Tonnen Sand, die aus der Natur entnommen werden. Weltweit verbrauchen wir fast so viel Sand wie Wasser.


Sand ist nicht gleich Sand

Man sollte meinen, dass es auf unserem Planeten Sand genug gibt. In den vielen Wüsten dieser Erde lagern unermesslich viele Tonnen davon. Nur leider kann man mit dieser "rundkörnigen" Variante des geologischen Materials nichts anfangen. Zum Bauen braucht man einen rauen kantigen Sand, der sich besser verfestigt. Deshalb haben Baukonzerne bislang Sand aus Flussbetten oder Kiesgruben abgebaut.


Doch dieser Vorrat geht langsam zur Neige, und so hat die Bauwirtschaft den Meeresboden ins Visier genommen - eine ökologische Zeitbombe. Die Folgen der gestiegenen Nachfrage sind fatal: Strände und Inseln verschwinden im Meer, Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage, Tiere ihren Lebensraum. Und mafiöse Strukturen wollen mit der endlichen Ressource das ganz große Geschäft machen.

"Rund um den Sand hat sich weltweit ein Schwarzmarkt entwickelt"

Vom Handy bis zur Autobahn – Sand ist überall. Der weltweite Handel mit der unentbehrlichen Ressource boomt – auf Kosten der Natur. Der Geologe Michael Welland spricht über zerstörte Strände und die Macht der Sand-Mafia.

Er ist in Glas, Kosmetik, Mikrochips oder Flugzeug-rümpfen enthalten – Sand ist unsichtbarer Bestandteil unzähliger Produkte. Der Verbrauch ist enorm: 200 Tonnen Sand stecken in einem mittelgroßen Haus, 30.000 Tonnen in einem Kilometer Autobahn und für ein Atomkraftwerk werden zwölf Millionen Tonnen benötigt. Weltweit verbrauchen wir fast so viel Sand wie Wasser, durch die wachsende Erdbevölkerung steigt der Bedarf weiter an. Der kostenlose Rohstoff ist begehrt und wird seit Langem weltweit gefördert – ein regelrechter Krieg um Sand hat bereits begonnen. Die Folgen sind fatal: Inseln verschwinden im Meer, Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage, Tiere ihren Lebensraum. Anlässlich des ARTE-Dokumentarfilms „Sand – Die neue Umweltzeitbombe“ (2013) sprach das ARTE Magazin mit dem Geologen und Buchautor Michael Welland über den folgenschweren Handel mit einer endlichen Ressource.

ARTE: Verschwinden unsere weltweiten Vorkommen an Sand?

MICHAEL WELLAND: Ein großer Teil des Sandes auf unserer Erde ist inzwischen in Beton eingeschlossen – der Bausektor verschlingt immer mehr Sand. Dieser immense Bedarf hat schwerwiegende Folgen auf lokaler und globaler Ebene. Seit Jahrzehnten wird Raubbau betrieben und natürlich verschlimmert das ständige Anwachsen von Erdbevölkerung und Wirtschaft die Situation noch.

Welche Folgen hat dieser Raubbau langfristig für die Umwelt?

Weil Sand leicht von Wind und Wasser transportiert wird, ist er das dynamischste geologische Material der Erde und für das Gleichgewicht der Erdkruste unersetzlich. Wenn man an einem Strand, in einem Flussbett oder auf dem Meeresgrund große Mengen davon abbaut, greift man in ein äußerst kompliziertes und dynamisches Ökosystem ein, in dem sich der Sand je nach Gezeiten, Wasser- und Windströmungen ablagert. Die intensive Nutzung verändert sein natürliches Verhalten also vollständig.

Haben Sie konkrete Beispiele dafür?

Nehmen Sie die verheerenden Verwüstungen an der amerikanischen Ostküste durch den Hurrikan Sandy im Oktober letzten Jahres: Sobald man zu nah an die Küste heranbaut und Dünen zerstört, verlieren die Strände ihre Funktion als natürlicher Schutzwall gegen derartige Stürme. Die negativen Auswirkungen eines jeden Sturms, der heute über ein bebautes Küstengebiet hinwegfegt, werden somit erheblich verstärkt.

Und was passiert beim Sandabbau im Meer?

Baggerschiffe pumpen tonnenweise Sand und Wasser nach oben – und damit alles, was auf dem Meeresboden lebt. Vor der Küste Sumatras ist das gesamte Ökosystem erschüttert, die einheimischen Fischer verlieren oft ihre Existenzgrundlage. Jahrhundertelang war die Fischerei hier eine sichere Einnahmequelle.
 

Warum ist Sand so begehrt?

Sand wird zum größten Teil im Bausektor verbraucht, da der Rohstoff sehr kostengünstig ist. Daneben enthalten bestimmte Sandarten Minerale von hohem kommerziellen Wert wie zum Beispiel Gold oder Diamanten. In Namibia zum Beispiel wird massenhaft diamanthaltiger Sand gefördert und in Indonesien sind zinnhaltige Sande zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. Auch eisenhaltige Sandarten sind begehrt, weil sie Metalle wie Titan enthalten. Rund um den Sand hat sich weltweit ein ganzer Schwarzmarkt entwickelt.

Um wie viel Geld geht es beim Geschäft mit dem Sand?

Es ist schwierig, das in Zahlen zu fassen, denn Sand ist ein Rohstoff, der nichts kostet und wie Luft oder Wasser wirtschaftlich nicht quantifizierbar ist. Bezahlt werden nur die Arbeitskraft und der Transport. Lediglich legale, internationale Transaktionen werden somit statistisch erfasst. Dabei laufen die meisten Geschäfte auf lokaler Ebene ab: Ein Land mit florierendem Bausektor greift eher auf seinen eigenen Sand zurück, wenn es welchen hat. Ein Beispiel dafür ist China, wo der verwendete Sand vor allem aus dem Landesinneren stammt. Dasselbe gilt für Marokko, Vietnam und Indien. Hinzu kommt ein weiteres Phänomen: Während Sand immer knapper wird und zaghafte Regulierungsmaßnahmen ergriffen werden, um ihn zu schützen, floriert das illegale Geschäft – und die Sand-Mafia liefert natürlich keine statistischen Angaben.

Wie hoch ist der Sandverbrauch weltweit?

Man schätzt, dass jährlich zwei Tonnen Beton pro Erdbewohner produziert werden. Das entspricht zehn bis 15 Milliarden Tonnen Sand, die aus der Natur entnommen werden.


Warum verwendet die Baubranche nicht Sand aus der Wüste, wo es doch genug davon gibt?

Die Struktur von Wüstensand unterscheidet sich stark vom Meeressand: Durch permanente Reibung mit Wind sind Sandkörner aus der Wüste unter dem Mikroskop betrachtet so abgerundet, dass sie sich nicht als Baustoff eignen, sie verfestigen sich nicht. Der raue Sand aus dem Meer hingegen schon. So erklärt sich, warum Dubai trotz seiner Wüsten von Sandimporten abhängt, zum Beispiel aus Australien.

Warum steht das Thema in der Politik nicht auf der Tagesordnung?

Die Öffentlichkeit ist sich der dramatischen Lage nicht bewusst. Die meisten Menschen, leider auch politische Entscheidungsträger, nehmen Sand nicht als bedrohte Ressource wahr, die geschützt werden muss. Weltweit haben die Bedürfnisse der Wirtschaft und insbesondere des Bausektors Vorrang. Zudem werden die zaghaften Vorschriften, die zum Schutz von Stränden und Meeresböden ergriffen werden, oft nicht umgesetzt und sind damit nutzlos. Man kann nicht an jedem Strand Polizisten aufstellen. Und noch dazu unterhält die Sand-Mafia in vielen Ländern Beziehungen zu höchsten Kreisen und kann in aller Ruhe ihren illegalen Geschäften nachgehen wie im Senegal oder in Marokko: Dort baut die Mafia rund 45 Prozent der Sandstrände ab, radikal und profitorientiert – ein ökologisches Fiasko.

Ist es bereits zu spät, um etwas gegen die Auswirkungen des Sandabbaus zu unternehmen?

Für Inselbewohner, deren Zuhause im Meer versunken ist oder Fischer, deren Netze leer bleiben, ist es bereits zu spät. Nun geht es darum, die Menschen zu informieren. Sie müssen begreifen, dass wir Sand nicht weiterhin in diesem Maße und zu einem so geringen Preis verbrauchen dürfen.

Könnte man Sand denn ersetzen?

Alles, was auf Grundlage von Sand hergestellt wird – Glas oder Beton –, kann recycelt werden, um Sand daraus zu gewinnen. Doch weil Sand so wenig kostet, sind diese Bemühungen derzeit nur wirtschaftliche Randerscheinungen, die die massive Nachfrage nicht stillen können. Es bräuchte einen starken politischen Willen, um andere Wege zu gehen. Und Wege gibt es viele! Die Menschheit hat ja nicht auf die Erfindung von Stahlbeton gewartet, um stabile Gebäude zu errichten.
 Interview: Irène Berelowitch für das ARTE Magazin

Die neuen Großgrundbesitzer Das Geschäft mit Europas Boden ARTE

Veröffentlicht am 16.09.2015

Ackerland wird weltweit rar - auch in Europa. 

Aktiengesellschaften, börsennotierte Fonds und branchenfremde Unternehmen investieren zunehmend in Land. Die kleinen Bauern können gegen diese Marktmacht kaum mehr bestehen. Die Folge: Das Land befindet sich zunehmend in der Hand einiger weniger. Die Dokumentation zeigt die aktuellen Entwicklungen in der europäischen Landwirtschaft.

Zum Dossier
Der Kampf um Europas Ackerland

Reportagen und Hintergründe in unserem Internetdossier.

Ackerland ist das neue Gold der Kapitalmärkte, und zwar in ganz Europa. Rumänien ist für internationale Investoren besonders attraktiv. Zwar gab es schon während des Sozialismus riesige Agrarstrukturen, doch seit der Öffnung des Ostens kaufen sich immer mehr ausländische Investoren ein. Ganze Regionen wurden zu Agrarlandschaften mit gigantischen Flächen, die nach der Ernte wie braune und verlassene Wüsten aussehen. Kritiker bezeichnen diese Entwicklung schlicht als „Landraub“, Investoren dagegen argumentieren mit der Schaffung von Arbeitsplätzen.

Auch in Ostdeutschland hat mit der Finanzkrise der Run auf Ackerflächen durch branchenfremde Firmen begonnen. Einer der Hauptplayer ist die KTG Agrar, ein börsennotiertes Unternehmen, das Flächen kauft oder pachtet und sie mit modernsten Maschinen kostengünstig bewirtschaftet. In Ostdeutschland wehren sich die Bauern immer vehementer gegen die mächtigen Konzerne und die Förderpolitik. Halten sie den Widerstand gegen die Investoren durch?

Frankreich ist von Landraub noch weitgehend verschont geblieben. Hier geht man zum Teil einen ganz anderen Weg als im restlichen Europa. Die Institution Safer regelt den Zugang zu Land und hilft Bauern, einen Hof zu gründen. Doch das System scheint nicht überall gleich gut zu funktionieren.

In der spanischen Provinz Andalusien hat Großgrundbesitz Tradition, vom Landbesitz haben seit jeher nur einige wenige profitiert. Das kleine Dorf Marinaleda bietet jedoch einen Gegenentwurf zum Modell der Landkonzentration: Ende der 70er Jahre besetzten Tagelöhner die Finca eines Adeligen bis zu dessen Enteignung. Seitdem verwalten die Einwohner gemeinsam 1.200 Hektar in Form einer Kooperative. Ein Vorbild für die Bauern in Ostdeutschland?

Bodenerosion nimmt dramatisch zu. Fachgespräch und Pressekonferenz in Berlin

Als ich nun Springer Verlag las.... ja was soll man davon halten.. das Vertrauen zu diesem Logenverein ist wohl weg.. also mit Vorbehalt und bitte selber denken - anhören! cp

Veröffentlicht am 24.02.2016

Bodenerosion nimmt dramatisch zu. Fachgespräch und Pressekonferenz in Berlin mit Klaus Töpfer 

Die Landdegradierung durch Erosion und Bodenverschlechterung nimmt weltweit dramatische Ausmaße an, der Lebensraum von etwa 3,2 Milliarden Menschen ist davon betroffen. Jeder US-Dollar, der heute in die Erhaltung des Bodens als Lebensgrundlage investiert wird, spart in Zukunft fünf US-Dollar an Folgekosten. Prof. Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger UNEP-Exekutivdirektor, Prof. Dr. Joachim von Braun, Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn, und Dr. Stefan Schmitz vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stellen neueste Forschungsergebnisse vor. 


Obwohl Landfläche und Boden die Lebensgrundlage auf unserem Planeten bilden, wurde bisher zu wenig für eine nachhaltige Landnutzung getan. Das fand ein weltweit agierendes Team aus Wissenschaftlern heraus, welches zwölf Länder und Weltregionen unter die Lupe nahm – darunter Indien, Argentinien, weite Teile Afrikas und Zentralasiens. Die Ergebnisse, die auf modernen Satellitenkartierungen basieren, zeigen ein erschreckendes Bild: In den letzten drei Jahrzehnten degradierten global 33 Prozent des Weidelands, 25 Prozent der Ackerböden und 23 Prozent der Waldflächen. Etwa 30 Prozent der globalen Landfläche, der Lebensraum von etwa 3,2 Milliarden Menschen, sind von signifikanter Bodendegradation betroffen. Bodendegradierung kostet die Welt jährlich rund 300 Milliarden Euro. Die Untersuchung zeigt auch: Jeder heute investierte US-Dollar würde in Zukunft fünf US-Dollar sparen.

„Zukunftsorientiertes Management von Land und Boden trägt dazu bei, mehrere Ziele nachhaltiger Entwicklung zu erreichen“, erklärt Prof. Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Exekutivdirektor des United Nations Environment Programme (UNEP). Zu diesen Zielen zählt, die Verschlechterung und den Verlust von wertvoller Anbaufläche zu stoppen. „Boden ist die am meisten vernachlässigte natürliche Ressource”, stellt Prof. Dr. Joachim von Braun, Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn (ZEF) fest. Der Wissenschaftler ist Mitherausgeber des neuen Buches “Economics of Land Degradation and Improvement – A Global Assessment for Sustainable Development”, welches kürzlich im Springer-Verlag erschienen ist. 

„Dabei sind Investitionen in Land und Boden überlebenswichtig – für die Ernährung, das Klima und die menschliche Sicherheit“, sagt von Braun. Die internationalen Wissenschaftler, die für das Buch an den Länderstudien mitgearbeitet haben, kämen alle zu dem gleichen Schluss: Wenn jetzt in die nachhaltige Nutzung von Land und Boden investiert werde, seien die Kosten um ein Vielfaches geringer, als wenn solche Anstrengungen hinausgeschoben werden. „Dies gilt sowohl für Entwicklungsländer wie auch für Industriestaaten”, stellt der ZEF-Direktor fest. Beispiele in Afrika – wie zum Beispiel Niger – zeigten, dass auch arme Länder erfolgreich bei der Bekämpfung von Bodendegradierung sein können. 


Bodendegradierung von Acker- und Weidenflächen ist in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara ein lebensbedrohendes Problem und mitverantwortlich für Migration. Den Bauern fehlt es an Wissen und gesicherten Landnutzungsrechten, Anreize für eine nachhaltige Bodennutzung fehlten. „Um dies zu ändern engagiert die Bundesregierung sich für die nachhaltige Bodennutzung und sieht dies als wichtiges Element der Maßnahmen für die Bekämpfung des Hungers an“, betont Dr. Stefan Schmitz vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der die Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ koordiniert.

Sprecher:
Professor Dr. Klaus Töpfer: früherer Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und UN-Unter-Generalsekretär, Bundesminister a.D. 
Professor Dr. Joachim von Braun: Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn; ehemaliger Generaldirektor des IFPRI in Washington; Vorsitzender des Bioökonomierats und Vize-Präsident der Welthungerhilfe. 
Dr. Stefan Schmitz: Beauftragter für die Sonderinitiative „Eine Welt Ohne Hunger“, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Marita Wiggerthale (Oxfam), Matthias Meißner (WWF), Richard Haep (Welthungerhilfe) nehmen Stellung zum Thema.




Hintergrundinformationen: 
- Zusammenfassung der wichtigsten Forschungsergebnisse (in Deutsch): http://www.zef.de/uploads/tx_zefnews/...
- Zusammenfassung der wichtigsten Forschungsergebnisse (in Englisch):
http://www.zef.de/uploads/tx_zefnews/...
- Ephraim Nkonya, Alisher Mirzabaev und Joachim von Braun (Hrsg.): Economics of Land Degradation and Improvement - A Global Assessment for Sustainable Development, Springer-Verlag, Publ. 2016. Kostenloser Zugang unter: http://link.springer.com/book/10.1007...

Ausverkauf in Afrika - Der Kampf ums Ackerland (Landgrabbing in Mali)

Deutschlands Boden verschwindet

Ein Viertel aller landwirtschaftlichen Flächen ist in Deutschland stark durch Erosion gefährdet. Ist die fruchtbare, oberste Schicht der Erde einmal verschwunden, lässt sie sich nicht mehr ersetzen.

Von einem Moment auf den anderen verloren die Autofahrer auf der Autobahn zwischen Rostock und Berlin die Sicht. Wer Glück hatte, konnte noch die Motorhaube des eigenen Wagens erkennen. Dutzende Autos fuhren auf beiden Fahrbahnen ineinander. Acht Tote, 27 Verletzte, 17 ausgebrannte Pkw, drei zerstörte Lkw bei insgesamt mehr als 80 beteiligten Fahrzeugen, notierte der Polizeibericht am Ende dieses Tages im April vor vier Jahren. Ein Sandsturm war plötzlich über die A 19 hereingebrochen.

Heftige Winde hatten Staubfahnen auf den Äckern auf beiden Seiten der Autobahn aufgewirbelt. Der Boden war für die Jahreszeit ungewöhnlich trocken gewesen, als die Bauern ihre Felder für die Vorbereitung der Aussaat umbrachen. Die Winde trugen die lockere Erde davon, fruchtbare Erde.

In Deutschland ist schon jeder vierte Acker stark von Erosion bedroht. Von den fast zwölf Millionen Hektar, auf denen hierzulande Weizen, Mais, Gerste oder Zuckerrüben wachsen, sind mehr als die Hälfte betroffen. Die lockere, organisch angereicherte Krume eines Ackers ist bis zu dreißig Zentimeter dick. Tonnenweise verschwindet die oberste Schicht der Erde. Im Norden des Landes trägt der Wind sie davon, in der Mitte und im Süden der Regen.

Bodenerosion weltweit eine GefahrAnzeige

Weltweit sind die Böden in Gefahr. Die fruchtbare Erde schwindet in den nordamerikanischen Prärien und auf den chinesischen Lößplateaus entlang des Gelben Flusses, hier spülen Niederschläge in jedem Jahr Millionen Tonnen davon. Die Erde verflüchtigt sich auch in den Steppen und Savannen Afrikas, Australiens oder Zentralasiens. Fast elf Millionen Quadratkilometer Landoberfläche sind bereits durch Erosion geschädigt –eine Fläche, die fast dreimal so groß ist wie die Europäische Union.

Quelle: Infografik Die Welt

Selbst wenn der Staub auf einem anderen Acker landet, bildet er dort noch lange keinen nutzbaren Boden. Oft aber landet er ohnehin in Städten, im Meer, auf Autobahnen. Wo die Böden fortgetragen werden, ist die Landwirtschaft in Gefahr, und damit die Nahrungsmittelproduktion für die weiterhin schnell wachsende Weltbevölkerung.

Das Schlimmste aber ist, dass der Verlust dauerhaft ist. „Boden kann nicht ersetzt werden“, sagt Rainer Duttmann, Professor für physische Geografie an der Universität Kiel, „er ist eine nicht erneuerbare Ressource, weil kaum Bodenneubildung stattfindet.“ Im Durchschnitt rechnet man damit, dass pro Jahr 0,1 bis eine Tonne Boden pro Hektar neu gebildet werden. Auf diese Fläche verteilt entspricht das geschätzt gerade mal zwischen einem Hundertstel und einem Zehntel Millimeter.

Mitten am Tag wird es in der Prärie dunkel

Was passiert, wenn der fruchtbare Boden verschwindet, zeigt eine Geschichte, die sich vor achtzig Jahren ereignete, in einer Region im Mittleren Westen der USA, die Dust Bowl genannt wird, Staubschüssel.

Der Palmsonntag des Jahres 1935 in der flachen Prärie begann sonnig. Es war der erste klare Tag seit Langem, auf den Farmen und in den Städten hofften die Menschen, dass die Staubstürme der letzten Tage endlich abflauten. Dann drang von Kanada arktische Kaltluft nach Süden bis in die Great Plains. Extrem starke Winde schossen über das Land und wühlten die Staubwolken auf.

Mitten am Tag wurde es so dunkel, dass die Menschen ihre Hände nicht mehr vor den Augen sahen. Sie flüchteten in ihre Häuser, Autofahrer mussten anhalten und waren in ihren Fahrzeugen gefangen, viele dachten an das Ende der Welt. Dieser Palmsonntag 1935 ging in den USA als Schwarzer Sonntag in die Annalen ein, als einer der Höhepunkte der Krise in der amerikanischen Dust Bowl.

Mehrere Ursachen der Bodenerosion im Fokus

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hatten Millionen von Farmern die Prärien des Mittleren Westens in Äcker und Weiden verwandelt. Aus dem fruchtbaren Grasland war der amerikanische Brotkorb geworden, der die dynamisch wachsende Nation zuverlässig mit Getreide, Fleisch und Milch versorgte.

IN DEUTSCHLAND UND EUROPA IST DER ACKERBAU DIE URSACHE FÜR DIE BODENEROSION.KLAUS KRUSE,Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Der amerikanische Traum, in den Westen zu ziehen und dort sein Glück zu machen, wurde für viele Bürger der jungen Präriestaaten wahr – bis sich Ende der 1920er-Jahre das Klima änderte. Der Regen, der die ausgedehnten Felder mit Wasser versorgte, blieb über Jahre aus. Der Mutterboden zerfiel zu Staub, auf den völlig übernutzten Weiden fraßen hungrige Rinder die letzten Halme ab, ihre scharfen Hufe zerstörten die dünn gewordene Grasnarbe. Dann kamen die Stürme und wirbelten die Erde auf den riesigen, ungeschützten Äckern und Weiden empor, ungeheure Staubwalzen zogen über das Land.

Bis zu zehn Zentimeter des obersten Bodenhorizonts wurden abgetragen und vom Wind manchmal bis nach New York oder Vermont verfrachtet. Allein im Jahr 1935 gingen in der Region 850 Millionen Tonnen fruchtbarer Erde verloren – ein unersetzlicher Verlust für die Landwirte in den am stärksten betroffenen Staaten von Colorado bis Texas. In den am schlimmsten betroffenen Regionen verschwand in wenigen Jahren um 1935 herum Boden, der in 10.000 Jahren zuvor entstanden war.

Ähnliches in Deutschland nur im Mittelalter

Die Erosionskrise im US-Westen der 1930er-Jahre ist ein extremer Fall, in dem widrige klimatische Umstände und menschlicher Raubbau eine katastrophale Kombination bildeten. Ein Einzelfall ist sie nicht. „Erosion gehört zu den Hauptgefahren für die Bodenfruchtbarkeit“, sagt Kirstin Marx vom Thünen-Institut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, einem Forschungsinstitut des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

In Mitteleuropa und Deutschland haben die Bodenverluste bisher nicht die Ausmaße der Dust Bowl angenommen. Die Lage ist auch noch nicht so schlimm wie in den asiatischen Steppen.

„Ähnliche Schäden gab es bei uns nur bei extremen Regenereignissen im Mittelalter“, sagt Klaus Kruse von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Derzeit handele es sich um ein schleichendes Problem. Dennoch trügt der Blick auf wohlbestellte Äcker hierzulande oft. „Ein Viertel aller landwirtschaftlichen Flächen ist stark durch Erosion gefährdet“, sagt Frank Glante vom Umweltbundesamt (UBA) in Dessau. Auf diesen Arealen gehen pro Jahr und Hektar im Durchschnitt fünf Tonnen Boden verloren. Bei dieser Menge „runzeln wir die Stirn und sagen: Leute, wir müssen etwas machen.“

Art der Bodennutzung nur extrem aufwändig zu ermitteln

Nicht stark gefährdet, aber doch bedroht sind noch weitaus mehr Äcker. Bis zu 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche drohe eine Erosion durch Wasser, ein weiteres Viertel laufe Gefahr, vom Wind abgetragen zu werden, erklärt Kirstin Marx.

WIE DER ARALSEE ZUR WÜSTE WURDE

Der Aralsee ist zu einer giftigen Salzwüste geworden. Fischerboote rosten vor sich hin

Der Aralsee ist zu einer giftigen Salzwüste geworden. Fischerboote rosten vor sich hin

Die kümmerlichen Reste des Sees vor der gigantischen Wüste

Die kümmerlichen Reste des Sees vor der gigantischen Wüste

 

Hier war einmal der Hafen von Muinak. Heute liegt das Wasser fast 100 Kilometer von der ehemaligen usbekischen Uferstadt entfernt

Hier war einmal der Hafen von Muinak. Heute liegt das Wasser fast 100 Kilometer von der ehemaligen usbekischen Uferstadt entfernt

 Der Haken an der Statistik: Sie gibt nur das so genannte naturräumliche Erosionspotenzial an, also wie theoretisch anfällig der Boden ist. Um zu messen, wie viel Boden tatsächlich verloren geht, müsse ein weiterer Faktor hinzu gezählt werden. „In Deutschland und Europa ist im Prinzip der Ackerbau die Ursache für die Bodenerosion“, sagt Klaus Kruse von der BGR, die das naturräumliche Risiko ermittelt hat. „Ohne offene Böden gäbe es hierzulande weder Wasser- noch Winderosion.“ Die Art der Bodennutzung aber ist nur extrem aufwendig zu ermitteln – von der flächendeckenden Erfassung der durch sie ausgelösten Erosion ganz zu schweigen.

Immerhin misst die Universität Hannover seit dem Jahr 2000 auf 86 repräsentativen Ackerflächen in Niedersachsen, wie viel Boden dort verschwindet. Zwischen 1,4 und 3,2 Tonnen pro Hektar gehen nach den Messungen im Jahresdurchschnitt verloren. „Mehr als eine Tonne pro Hektar und Jahr ist in einem Menschenleben nicht mehr auszugleichen, der Bodenschwund ist irreversibel“, betont Rainer Duttmann von der Universität Kiel. Es fällt nur niemandem auf, denn der Bauer fährt mit dem Pflug über den Acker und radiert Erosionsspuren aus.

Karten zeigen gefährdete Regionen

Die Äcker, von denen im April vor vier Jahren der verheerende Sandsturm über der A19 losbrach, waren nicht mal als erosionsgefährdet klassifiziert. „Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände“, sagt Frank Glante vom UBA.

In Zukunft können solche Fälle vielleicht verhindert werden. Die Karten, die die Forschungseinrichtung des Bundeswirtschaftsministeriums im vergangenen Jahr aufgelegt hat, zeigen deutlich, in welchen Regionen die Böden besonders empfindlich für die Angriffe von Wind oder Regen sind. Und sie zeigen, wo die Bauern besonders achtsam mit ihren Böden umgehen müssen.

„Gefährdet durch Winderosion sind hauptsächlich Gebiete im norddeutschen Bereich“, erklärt Kruse. Der Wind von Atlantik und Nordsee setzt den Flächen schon lange zu, deshalb durchzogen Knicks die Agrarlandschaften im Norden, knapp einen Meter hohe Erdwälle, mit Hecken und Sträuchern bepflanzt, aber die Knicks verschwinden, beklagen Umweltschützer.

Wind, Regen und anfälliger Boden

In den deutschen Mittelgebirgen ist die Wassererosion das größere Risiko, sagt Kruse. Kommt zu Wind oder Regen noch ein anfälliger Boden, wird es ernst. So sind wegen des Sandgehalts im Boden große Teile der ostfriesischen Geest und des Emslands gefährdet, ebenso wie der Westen Brandenburgs.

Das gleiche Problem besteht in Schleswig-Holstein am sogenannten Mittelrücken, einer lang gestreckten Ebene aus sandigen Hinterlassenschaften eiszeitlicher Schmelzwasserströme, die, von Dänemark kommend, das Bundesland bis vor Hamburg durchzieht. Hier zeigen Modellrechnungen, die Rainer Duttmann für die Landesregierung durchführte, dass rund 5,3 Prozent der Agrarfläche sehr stark von Erosion bedroht sind.

Weitere sieben Prozent haben immerhin noch ein hohes Erosionsrisiko. In den Hügelländern Niedersachsens, Sachsens und Unterbayerns und auf den Gäuplatten von Neckar und Tauber in Baden-Württemberg macht der staubfeine Löss die Böden zwar extrem fruchtbar, aber auch leicht angreifbar.

Fünf Millimeter Boden an einem Tag weg

Es gebe Tage, an denen lokal begrenzt drei bis fünf Millimeter Boden auf einen Schlag abgetragen werden, „das ist schon gravierend“, sagt Bastian Steinhoff-Knopp von der Universität Hannover. Ein solcher Tag alle paar Jahre ist zwar weniger dramatisch, aber wenn sich solche Verluste häufen, ist die Fruchtbarkeit des Bodens ernsthaft bedroht. Wann es so weit ist, das lässt sich nur erkennen, wenn man die oberste Schicht der Erde über lange Zeit genau beobachtet. Den Bodenkundlern geht es da nicht anders als den Klimaforschern, die erst nach Jahrzehnten des Datensammelns Aussagen über künftige Entwicklungen treffen können.

Am Institut für Physische Geographie der Universität Hannover begannen die Forscher Ende der 1990er-Jahre mit Langzeitbeobachtungen an ausgewählten Ackerflächen in Niedersachsen. Sie wählten Äcker im hügeligen Teil des Bundeslandes. Rainer Duttmann, der heute in Kiel forscht, leitete damals die Erkundungen, inzwischen hat Bastian Steinhoff-Knopp diese übernommen.

Mindestens zweimal im Jahr fahren die Bodenforscher hinaus, wenn der Winter vorbei ist und wenn die starken Regenfälle des Sommers über das Land gezogen sind. Die Forscher haben Maßbänder, Zollstöcke und moderne GPS-Geräte dabei. Sie vermessen 86 Felder, insgesamt 466 Hektar Land in inzwischen drei Regionen von Niedersachsen. Sie erfassen „alle Erosionsformen auf dem Ackerschlag“, sagt Steinhoff-Knopp.

Messungen in Niedersachsen bis 2020

Sie zählen die Rinnen, die der Regen in die Äcker gerissen hat. Sie berechnen die Menge der abgetragenen Erde. Sie tragen GPS-Daten in Tabellen ein. Eine Datenbank sammelt inzwischen die Erkenntnisse aus den vergangenen 15 Jahren. Für Steinhoff-Knopps Geschmack noch zu wenige Daten, um Aussagen über die Stärke der Erosion zu treffen. „Ich würde in Anlehnung an die Klimaforschung einen Zeithorizont von 30 Jahren annehmen, um wirklich verlässliche Aussagen über das Erosionsgeschehen treffen zu können.“

Die Universitätsgeografen und das Niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie haben gerade vereinbart, dass die Messungen bis 2020 weitergeführt werden. Vor fünf Jahren hat auch Baden-Württemberg die Erosions-Dauerbeobachtung aufgenommen, mithilfe der Experten aus Hannover.

Mecklenburg-Vorpommern zeichnet inzwischen alle Erosionsvorkommnisse in einem landesweiten Kataster auf. „Hier werden alle auf landwirtschaftlichen Flächen bekannt gewordenen Ereignisse erfasst und ausgewertet“, teilt Landwirtschaftsminister Till Backhaus mit. Man wolle einen Überblick über den Bodenabtrag bekommen und die Erosion gemeinsam mit den Bauern stoppen.

Hecken an Feldrändern sollen den Wind stoppen

Es gibt einen Anforderungskatalog an die Landwirte. Er klingt anspruchsvoll. Kleinere Feldgrößen oder Hecken an den Feldrändern sollen den Wind stoppen – zu einer auf Hochleistung getrimmten Landwirtschaft passen sie nicht. Andere Vorschläge sind nicht für jeden Acker geeignet. An steileren Hängen ist etwa das sogenannte Konturpflügen problematisch, bei dem die Furchen parallel zum Hang gezogen werden, um dem Wasser keine Abflussrinnen zu bieten.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehört auch, dass die Bauern im Norden auf den fast militärisch exakt ausgerichteten Maisfeldern zwischen den Pflanzen sogenannte Untersaat ausbringen sollen. Kleine Pflanzen, Klee oder Gras, sollen den Boden bedecken und festhalten. Wenn die Ernte eingebracht ist, sollen Zwischenfrüchte die Äcker schützen. Diese Pflanzen verbessern nebenbei die Stickstoffversorgung und die Struktur des Bodens.

Der Mais in Mecklenburg-Vorpommern ist meist „Energiemais“, die Pflanzen werden für Biogasanlagen produziert. Eigentlich eine gute Idee, die wie viele gute Ideen auch schlechte Folgen hatte. „Die sogenannte Vermaisung der Landschaft, also die Monokultur von Mais, hat mit Sicherheit zur Erhöhung des Erosionsrisikos geführt“, sagt Frank Glante, der Bodenexperte des Umweltbundesamts. Der Strom wird zwar sauberer, die Böden verschwinden jedoch. Wenn Landwirte sich auch in der neuen Zeit an fachliche Regeln halten, dann sei das Risiko in Mitteleuropa allerdings noch in den Griff zu bekommen, sagen die Forscher.